Donnerstag, 9. November 2006


Wortlos

Da stand ich und wartete auf eine Gefühlsäußerung von ihm. Irgendetwas, komm, sag irgendwas, verziehe Dein Gesicht, deute ein Lächeln an, zeige Deine Wut, laß eine Träne rollen. Irgendwas. Bitte.
Je länger ich wartete, desto unruhiger wurde ich. Meine Unruhe steigerte sich, wird zur Ungeduld. Meine Ungeduld steigerte sich, wird zur Wut. Ich konnte nichts daran ändern.
Mittlerweile starrte ich ihn an. Meine Wut breitete sich im Körper aus, ich konnte sie spüren, sie machte meine Hände zittrig. Nach allem was ich gesagt hatte, nichts.

Wie in Zeitlupe beobachtete ich meine Hand als wäre es nicht meine. Ich hätte es nicht ändern können, selbst wenn ich gewollt hätte, aber ich wollte auch nicht. Ich sah wie meine Hand sich erhob, wie mein ganzer Arm ausholte und ich sah wie sie mit voller Kraft seine Wange traf.

Nur kurz blinkte das Erstaunen in seinen Augen auf und dann wieder - nichts.

Wortlos stand ich auf.

Raus hier. Bloß raus hier. Nicht vor ihm, nicht das auch noch.

Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, sank ich zusammen. Jetzt erst merkte ich, dass Tränen an meinem Gesicht herabtropften. Krampfend am Boden liegend schwanden mir die Sinne.

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